Farm work in Australien
Noch in Deutschland wurde uns von allen Seiten glaubhaft versichert, dass Farmarbeit ganz einfach zu finden sei, erstmal in Australien angekommen.
Ganz so einfach war es dann nicht. Um so gluecklicher waren wir, als wir endlich einen Anruf bekamen mit der frohen Botschaft, auf einer Farm arbeiten zu koennen.
Endlich haben wir einen Job! Voller Zuversicht, Vorfreude, enthusiastisch und aufgeregt standen wir am Bahnhof einer Kleinstadt im Sueden Australiens und wurden erstmal nicht abgeholt.
Und da standen wir dann: wie bestellt und nicht abgeholt.
Nachdem wir schon die Moeglichkeit abgecheckt hatten, wie wir wieder weg kommen wuerden, und die unberuhigende Entdeckung gemacht hatten, dass kein Zug mehr nach Melbourne gehen wuerde, fuhr doch ein Auto vor. Und wir machten die Bekanntschaft mit einem barfuessigen, langhaarigen rauchenden und eine weisse Sonnebrille tragenden Typen.
Wir hatten eine 50 minuetige Autofahrt vor uns. Die Ruecksaecke fuhren auf der Ladeflaeche mit. Bloed, dass es in Stroemen regnete. Das Fahrerhaus war zu klein fuer drei Leute. Also verbrachte ich die folgenden Fahrten auf der Handbremse, die mich immer 10 cm wachsen liess, wenn sie gezogen wurde.
Der Typ neben uns, von dem ich nicht wusste, ob er unser zukuenftiger Chef sei, und wenn nicht, wer er sonst ist, den ich zudem aufgrund seines australischen Slangs wenig bis ueberhaupt nicht verstand, informierte uns gleich ueber Pub-Moeglichkeiten und hielt einen Monolog ueber Kiffen in Australien.
Und dann landen wir- in the middle of nowhere. Laut des Fahrers wuerde unser zuhause nichts Spezielles sein, aber zu dem Zeitpunkt konnten wir noch grossmuetig sagen, dass braeuchten wir nicht.
Hielten wir uns selber doch fuer ausgesprochen tolerant und wenig interessiert an Komfort. Doch das Haus stellte sich als speziell heraus.
Eigentlich kann von Haus auch schlecht die Rede sein. Die Bezeichnung Bruchbude trifft es eher. Durch die Fussbodenleisten konnte man unter das Haus gucken und durch die Spanplatten, die als Aussenwaende dienten, konnte man nach draussen gucken.
Wir entschieden uns das ganze positiv zu sehen: Fegen eruebrigte sich dadurch, fiel ja alles durch und das Lueften konnten auch die Ritzen und Loecher in den Waenden uebernehmen.
Unsere Aufgabe auf der Farm sollte darin bestehen, Semphire zu schneiden Ein absouluter Insider Tipp. Ein gruenes Kraut, das sehr salzig schmeckt und anstelle von Salz zum Wuerzen von Salat und Fisch genutzt wird. Das Zeug soll sehr gesund sein.
Wir wurden auf einen grosse Weide hinter der Bruchbude gefuehrt und sollten in ein gruenes Kraut beissen, das salzig schmeckte. Dann zog der Typ, der sich nun als unserer Mitbewohner herausstellten noch paar mal an seiner Bong, trank in Windeseile 2 Bier, wie andere Leute Wasser trinken und erklaerte uns dabei, dass wir dieses Kraut pfluecken muessten. Ich hielt das ganze ertsmal fuer einen grossen Scherz.
Ich hielt das ganze auch noch fuer einen grossen Scherz als unser Mitbewohner uns dann, natuerlich in Begleitung eines neuen Bieres, zu unseren Chefs brachte, die in einem Haus 20 min entfernt wohnten.
Auch noch, als die Frau des Chefs einen grossen Sack von diesem komischen gruenen Kraut vor uns auskippte und uns zeigte, wie wir das sortieren sollten. Ich kam mir vor wie Aschenbroedel. Die guten Stiele in diese Schuessel, die schlechten in die andere.
Die Frau kam mir zudem voellig high vor, was die ganze Situation fuer mich nicht glaubhafter werden liess. Immer wieder nahm sie das Kraut in den Mund, um dessen Geschmack zu testen und um uns dann “not woody” (gut) oder “woody” (nicht gut) zu demonstrieren.
Die Kunst des Semphire-Schneidens ist eine grosse. Das Semphire darf nicht woody sein (zu diesem Zweck probiert man das rohe salzige Kraut staendig) und auch nicht braun oder rot aussehen. Mit der Zeit wird man Experte und kann alleine durch das Fuehlen gutes von schlechtem Semphire unterscheiden
Erst abends, als ich neben Lisa auf den gestapelten Matratzen lag und wir den Tag diskutierten, began ich langsam zu realisieren, dass das ganze kein Scherz war und dass das tatsaechlich unsere Aufgabe fuer die naechsten Tage sein sollte.
Waere es mal bloss eine Aufgabe fuer die naechsten Tage gewesen. Nach einem Tag intensivstem Pfluecken, an dem wir immerhin auf stolze 20 kg kamen, war Wochenende und damit erstmal wieder Schluss mit pfluecken.
Und dann sassen wir da. In the middle of nowhere. In einer Bruchbude, ohne Wasser und Strom. Ohne Arbeit, ohne Auto, um zu entfliehen. Das war die Zeit, um sich mit mir selbst zu beschaefftigen. Es gab folgende Moeglichkeiten: Schlafen, Lesen, den Mitbewohner nerven.
Absolutes Highlight des ganzen Aufenthaltes war unser Mitbwohner.
Wenn ich morgens um 8.30 Uhr mein Fruehstueck ass, zuendete er sich bereits die erste Bong an.
Die Bong wurde dann im 30min Takt kontinuirlich den ganzen Tag weiter benutzt, bis abends ab 18.00 Uhr “Beer-Time” war. Wahrscheinlich wurde ich durch den Smok gleich mit high.
Anders kann ich mir nicht erklaeren, warum ich aufeinmal angeln liebte. Empfand ich doch vorher angeln als eher unkommunikativ und zaehlte angeln vorher nicht als wirkliche Beschaeftigung, wurde angeln nun zu einem Erlebnis fuer mich.
Wir fuhren mit dem Auto, hin und wieder trafen wir sogar auf Leute. Unser Mitbewohner sprang voellig unentspannt ueber den Steg, zog alle 5 sec. di Angel wieder aus dem Wasser und erklaerte nach spaetestens 10 min. die Angelegenheit fuer wenig erfolgsversprechend und darum als beendet.
Man muss kein grosser Angelexperte sein, um zu wissen das so wahrscheinlich nie ein Fisch anbeissen wird. So angelten wir eine Menge, aber immer ohne Erfolg.
Die Autofahrten, die eigentlich nie ohne ein Bier in dem Dosenhalter angetreten wurden, waren meist ein riesen adventure. Entweder die wilden Tiere oder der rasante Fahrstil unseres Mitbewohners liess Adrenalinschuebe frei werden.
Insgesamt blieben wir 10 Tage auf dieser Farm.
Und gerade unserer Mitbewohner machte uns die Zeit auf der Farm zu einem trotz der vielen Unanehmlichkeiten, gut ertraeglichen und sehr amuesanten Aufenthalt, an die wir uns am liebsten, meisten und am laengsten zurueck erinnern werden und ueber die wir am meisten lachen koennen.
- Weitere Informationen: Wwoof Australia
- Weitere Berichte von mir: Backpacking Australien

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